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Klein-Norwegen in Fuestrup 
Mitten im sonst regnerisch- warmen Münsterland steht Klein-Norwegen. Jochen Mendel, der seit vielen Jahren Schlittenhunde-Touren durch den hohen Norden anbietet, hat sich jetzt eine skandinavische Landschaft auf einer Wiese in die Zwingeranlage seiner Huskys gebaut. Aber nicht nur aus Leidenschaft für Land und Lebensart: Klein-Norwegen hat einen sehr ernsten Hintergrund.
Wieder etwas wert sein
Im Frühjahr 2004 leitete der 38-Jährige zum ersten Mal eine Schlittenhundetour für krebskranke Kinder und Jugendliche sowie ihre Therapeuten und Betreuer. Es war ein Experiment, diesen Kinder durch die Herausforderungen der rauen Natur und des Umgangs mit den Huskys ein neues Selbstwertgefühl zu vermitteln. Diese Art der Therapie sollte ihnen der Weg zurück in ein "normales", nicht von Krankheit und Gebrechlichkeit bestimmtes Leben erleichtern.
Mit der neuen Anlage in Fuestrup will Mendel nun Kindern in einer gesundheitlichen oder psychischen Krise diese Natur- und Tiertherapie ermöglichen, ohne dass sie gleich bis nach Norwegen reisen müssen. "Es ist ein Naturerlebnis im Kleinen", erklärt der Angestellte der Stadt Münster. So kommen zum Beispiel Kinder mit psychosomatischen Störungen wie Bettnässen oder Bulimie mit ihren Therapeuten zu ihm.
Test für den Trip
Beim Feuermachen oder beim Toben mit den Huskys tauchen sie in eine andere Welt ein und lernen, dass sie mehr können, als sie sich zutrauen: Holz hacken zum Beispiel oder ohne Angst mit einem großen, lebhaften Hund spielen. "Ich schaue dann immer, ob sie kleinere Jobs machen können oder ob ich sie besser in Ruhe lasse", ist auch bei Gastgeber Mendel Einfühlsamkeit gefordert.
Aus der Pilotfahrt nach Norwegen 2004 in Zusammenarbeit mit dem "Bunten Kreis" in Coesfeld und dem Verein Herzenswünsche in Münster ist längst ein bundesweit beachtetes Projekt geworden. Im Frühjahr 2006 fährt Jochen Mendel gleich zweimal nach Norwegen: mit vier Patienten der Uniklinik Essen sowie dem 13-jährigen Tim aus Oldenburg und anschließend mit einer Gruppe der Uniklinik Heidelberg. Für sie alle ist Fuestrup der erste Schritt nach Skandinavien: hier können sie schon mal reinschnuppern, hier können auch die Eltern Ängste abbauen und sich darauf einlassen, ihre schwer kranken Kinder einmal loszulassen.
Von April bis November diesen Jahres hat der Grevener gemeinsam mit Freunden und Nachbarn an "seinem" kleinen Norwegen gebaut. Sein Tipi, ein Lavvo, gibt es seit Jahrtausenden in Skandinavien, wo es noch heute als Gruppen- und Wohnzelt genutzt wird. Rundherum an der Innenseite sind breite Bänke, auf denen die Besucher schlafen können. Die Feuerstelle in der Mitte sorgt für angenehme Wärme und heißes Wasser für Suppe und Tee " da lässt Jochen Mendel jeder Winter im Münsterland kalt. - Claudia Ix
Samstag, 24. Dezember 2005 | Quelle: Grevener Zeitung (Greven)
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