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Auf Tour

Ein kleiner Rückblick auf den Winter 2018


Ganz unterschiedliche Projekte haben wir im vergangenen Winter realisiert. Da war unser klassisches Projekt mit 4 Jugendlichen, einer Ärztin und einem weiteren Betreuer vom Verein Herzenswünsche im Februar. Dann waren 2 Familien Ende März/Anfang April zu Besuch. Ein großes Abenteuer nicht nur für die 6-8 jährigen Kids, auch für mich unglaublich abenteuerlich die 4 selbstständig ein Husky-Gespann fahren zu lassen. Und dann war da noch Marlon mit seinem Vater für eine Woche zu Gast. Marlon war das 2. Mal im Winter bei uns, hatte also schon ein Projekt mitgemacht. Jetzt konnte er all sein Wissen an seinen Vater weitergeben.

Louisa aus der ersten Gruppe hat Ihre Erfahrungen und Eindrücke in einem Reisebericht zusammengefasst. Klasse geschrieben!

Besonders emotinal zu lesen ist der Bericht einer Mutter.

Marlon wird uns bald noch ein YouTube Video erstellen, dass dann einen tollen Eindruck aus seiner Perspektive vermittelt. Im Moment müssen noch die Musikrechte geklärt werden. Dann gibt’s den Link.

… und wie geht’s weiter?

Bevor wir uns im September auf den nächsten Winter vorbereiten, werden wir die Sommerferien in Schweden verbringen. Einiges renovieren, aber auch Urlaub machen ist angesagt.

Zu Beginn werden wir eine Familie zu Gast haben und auch zum Ende kommt eine Familie. Beide machen dann mit uns und auch selbstständig mit vielen Tipps einen klassischen Schweden Sommerurlaub.
 

Jochen Mendel

 Louisas Huskyprojekt 2018

  

"Kein Strom, kein Licht, keine Dusche und trotzdem war die gute Laune da. Wir teilten alle das gleiche Schicksal und hatten die gleichen Erfahrungen gemacht. Nun hatten wir die Möglichkeit eine neue, schöne Erfahrung zu machen, abzuschalten und uns auszutauschen.

Für mich war bereits die Hinfahrt ein tolles Erlebnis, wobei mich die Vorfreude auf die nächsten Tage begleitete. Angekommen im Ort Särna begrüßten uns die vielen Huskys.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir noch nicht vorstellen, die Hunde mit dem Schlitten selbst zu führen. In den folgenden Tagen genossen wir die weite Landschaft, die frische Luft in der Nase und den Fahrtwind.

Ich war beeindruckt, was die Huskys leisten können. Genau deswegen verdienten sie sich die Kuscheleinheiten nach unseren Ausflügen ganz besonders.

Auch wir hatten Zeit zu uns im „Hotpot“ zu entspannen und genossen dort die gemeinsame Zeit.

Ich erinnere mich gerne an diese wunderschöne, aber auch einzigartige Zeit zurück. Für mich war es eine neue Erfahrung ohne Strom und Wasser zu leben, erstaunlicher Weise aber keine Herausforderung.

Somit verbrachten wir die Morgen voller Freude auf den Tag, die Nachmittage auf dem Schlitten und die Abende am Feuer, welche wir gemeinsam und mit viel Spaß ausklingen ließen.

Ich möchte mich bei allen beteiligten bedanken. Ganz besonders bei Kira, denn ihr habe ich dieses Erlebnis zu verdanken. Leider konnten wir es nicht mehr gemeinsam erleben. Danke!

Louisa"

 

Bericht von Sids Mutter

"Hallo,

ich bin die Mama von Sid. Sid ist mittlerweile sechs Jahre alt und wir wohnen in Berlin. Bei Sid wurde letztes Jahr im März 2017 Leukämie (T-ALL) diagnostiziert. Damals ist für uns als Familie eine Welt zusammengebrochen und es hat uns förmlich den Boden unter den Füßen weggerissen. Schlimmer noch als für uns Eltern, war es für Jascha, Sids 1,5 Jahre älteren Bruder. Die Familie ständig getrennt, die Angst um seinen Bruder, dessen Wesensveränderung und körperlicher Abbau, haben ihm von einem Tag auf den anderen, alles genommen. Sids Knochenmark war derart stark befallen, dass er zunächst als Hochrisikopatient galt. Bedingt durch die Chemo hatte er dann Nervenschädigungen in den Beinen und konnte sich ohne fremde Hilfe und den Rollstuhl nicht mehr bewegen. Er wurde ein komplett anderes Kind, aus dem ehemals lebenslustigen, aktiven Jungen, wurde ein in sich gekehrter kleiner Mensch. Die Zeit der Intensivchemo, war der reinste Horror, unsere Familie wurde auseinandergerissen. Sid musste Unglaubliches ertragen und leisten. Von einem Tag auf den nächsten wurde ihm die Kindheit geraubt. Gestern noch Stürmer in seiner Fußballmannschaft, heute im Rollstuhl, nicht mal in der Lage, einen Ball zu werfen.

 

Sid liebt Tiere und ganz besonders Hunde, wir haben selber zwei, einer davon ist ein Husky. Und Sid und wir lieben Schweden. Eines Nachts im Krankenhaus, ich konnte wie meistens kaum schlafen, bin ich dann auf der Homepage von „Herzenswünsche“ gelandet und habe dort gelesen, dass sie Huskytouren für Jugendliche anbieten. Ich habe dann sofort eine Mail geschickt und nachgefragt, ob das auch für Sid in Betracht kommen könnte? Kurz danach hat uns das Team von Herzenswünsche kontaktiert und uns erzählt, dass Sie versuchen werden, Sid diesen Wunsch zu erfüllen. Damit Sid nicht alleine (mit uns) reisen muss (:-)), konnten wir uns eine Familie raussuchen, die mitfährt und unseren Wunscharzt „Thilo alias Dr. Müller“. Sids Freund, hatte leider kurz vor Antritt der Reise einen Rückfall, weshalb dann kurzfristig Sids Tante (meine Schwester) und ihre beiden Söhne mit uns gereist sind.

 

Im März 2018 war es dann soweit, es ging los mit dem Flieger nach Norwegen und von da aus, mit einem Mietwagen über die vereiste und zugeschneite wunderschöne Landschaft nach Schweden. In Särna angekommen, begann gleich das erste Abenteuer. Jochen hat uns dort abgeholt und ist mit uns mit dem Schneescooter nach oben in der Berge gefahren.

Was dann in den nächsten sechs Tagen passiert ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Es fing an mit Nordlichtern am ersten Abend und ging weiter mit Schnee in über ein Meter Höhe. Soviel geweint wie in diesen Tagen, hatte ich seit Diagnosestellung nicht mehr. Nur dieses Mal waren es Freuden- und Dankbarkeitstränen. Zu sehen, wie mein Sohn, der ein Jahr zuvor beinahe gestorben wäre, monatelang im Rollstuhl saß, sich körperlich nichts mehr zugetraut hat, auf einmal alleine einen Huskyschlitten gelenkt hat, war so unglaublich, unbeschreiblich schön. Zu sehen, dass mein Sohn, der 10 Monate nicht baden konnte, weil er einen Broviac-Katheter hatte, aus dem Hot Pot in den Tiefschnee gesprungen ist, war ein Gefühl, dass sich einfach nicht in Worte fassen lässt. Zu sehen, wie Sid und sein Bruder inmitten von 14 Schlittenhunden gestanden und mit diesen gekuschelt haben, nachdem Sid beinahe ein Jahr immunsuppressiv war und keine fremden Tiere anfassen durfte, trieb mir erneut die Freudentränen in die Augen. Beinahe ein Jahr haben wir gefühlt, die meiste Zeit in der Klinik verbracht, Sid angeschlossen, an permanent piepende elektrische Geräte. Und auf einmal waren wir mitten in der Natur, ohne Strom, ohne den Stress der Großstadt, ohne den Geruch von Desinfektionsmitteln. Auch das war ein Gefühl, bzw. ein Zustand, der sprachlos, ehrfürchtig und unendlich dankbar gemacht hat. Sid, Jascha und die Cousins waren von morgens bis abends draußen, wenn wir nicht Schlittenfahren waren, oder Jochens köstliches Essen in der gemütlichen Gemeinschaftshütte verspeist haben, in der Sauna waren, oder Jochen ihnen beigebracht hat, wie man Feuer macht, haben sie Iglus gebaut, sich Schneeballschlachten mit Thilo (Sids Arzt) geliefert, oder den Tiefschnee mit Schneeschuhen unsicher gemacht. In der anfangs absolut unberührten Natur, waren nach sechs Tagen, überall Spuren in Schuhgröße, 31, 33, 35 und 36 zu sehen. Selbst den letzten Winkel haben die vier Jungs erobert.

 

Die unglaublichen Erfahrungen und Glücksgefühle in Worte zu fassen, geht nicht. Die sechs Tage, waren jedoch die mit Abstand schönsten, die wir gemeinsam als Familie jemals erleben durften. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber Sids Erkrankung, hat unseren Blickwinkel auf das Leben in Gänze verschoben und uns vermittelt, dankbarer und wertschätzender zu sein, nichts schon gar nicht „zu leben“ ist selbstverständlich. Die sechs Tage in Schweden, konnten das letzte Jahr nicht löschen, aber so, so, so, so verdammt vieles wieder gut machen. Beim Schreiben, kommen mir schon wieder Tränen in die Augen. Ich spüre eine unendliche Dankbarkeit gegenüber dem Team von Herzenswünsche und insbesondere gegenüber Regina und Jochen. Tausend Dank, ihr habt uns so viele unglaublich schönen Momente geschenkt, die wir, wann immer uns die dunklen Gedanken und die Angst einholen, abrufen können und die uns wahnsinnig viel Kraft und Freude schenken. Und die Zeit in Schweden und die Erfahrungen, hat mir meine beiden Jungs zurückgebracht, Sid und Jascha konnten so viel Selbstvertrauen zurückgewinnen und einfach das sein, was sie sind „Kinder“. Daaaaannnnnnkkkkkkeeeeeee"

 

Von Heidelberg in den schwedischen Winter - Karsten berichtet von seinem Huskyprojekt

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Mit ihm sind wir  dann gleich zum Biologen Berthold gefahren, der in Münster wohnt. Dort haben wir übernachtet und sind dann  gleich nach Kiel gefahren. Da Jochen mit seiner Freundin, Birga, und den Hunden schon in Schweden war.

Von Kiel aus haben wir, um 13 Uhr, die 21stündige Fahrt über den Ozean mit einem 15 stöckigen Luxusschiff angetreten. Das Schiff bot immer wieder Überraschungen, z. B. ein Schwimmbad, ein Fitnessraum und eine Einkaufstraße. Als wir dann um 10 Uhr in  Oslo eingelaufen waren, sind wir nach einer knapp 4stündigen erlebnisreichen  Fahrt mit dem Auto endlich in Särna angekommen. Die Fahrt war deshalb erlebnisreich, weil unser Auto aufgrund einer eisigen Straße stark ins Schlittern kam. Um Haaresbreite hätten wir einen Elch niedergefahren (knapp 15 Meter vor uns ist er über die Straße gerannt).
 
Als wir also in Särna ankamen, sind wir mit Jochens Motorschlitten  zum Haus gefahren. Wir zogen uns zuvor auf einem Rentierfell warme Kleider an, da es zwischenzeitlich sehr kalt war. Wir begrüßten Birga und  die Hunde.. Danach haben  wir Kaffe und Kuchen gegessen und sind dann nach einem guten Abendessen ins Bett gegangen.


Dritter bis sechster Tag


An diesen Tagen sind wir mit den Hunden Hundeschlitten gefahren. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Die Hunde sind schon nervös wenn sie sehen, dass die anderen Hunde an den Schlitten gespannt werden. Wenn dann alle endlich an die Schlitten gespannt sind ist das ein einziges Gejaule und Gebelle. Scara, der Haushund, der schon zu alt war, um Schlitten zu ziehen, hat auch immer mitgebellt. An einem Schlitten waren immer fünf Hunde,
insgesamt hatten wir drei Schlitten.
Wenn dann der Schlitten anfährt, ist  auf einmal alles leise. Dann hört man nur noch ab und zu ein kurzes Schnaufen der Hunde.
Die Hunde heißen: Barley, Joffe, Wanja, Fjell, Foss, Kazu, Jack, Bico, Torge, Lasse; Sitka, Hilli, Lille und Skara.

Unser Tagesablauf war im Grunde fast immer gleich: Zuerst sind wir aufgestanden, haben uns angezogen und sind raus zu den Hunden gegangen. Dort haben wir sie erst einmal herumspringen lassen, wobei wir mit ihnen gespielt haben. Danach sind wir ins Haus gegangen,wo wir gefrühstückt haben. Nach dem Frühstück sind wir gegen 11- 12 Uhr raus und haben die Hunde in die Schlitten gespannt und sind von da an bis ca. 15 Uhr Schlitten gefahren. Die Zeit verging wie im Flug.

Als wir wieder am Haus ankamen, haben wir Kaffe getrunken und Kuchen gegessen und haben danach den Hunden ein Leckerli gegeben (Wurst). Wir haben dann das Essen zubereitet und zu Abend gegessen. Zum Schluss noch Uno gespielt und sind müde ins Bett gehen. Am vierten Tag gab es etwas sehr gutes zum Essen, nämlich Rentierfleisch.


Siebter Tag

An diesem Tag sind wir Angeln gegangen.
Nachdem wir gefrühstückt hatten, sind wir um 10 Uhr los. Wir fuhren mit dem Motorschlitten zu einem See, der ca. eine halbe Stunde entfernt lag. Dort mussten wir erst einmal auf dem See, mit einer Schaufel, ein Loch in den Schnee graben, dann, mit einem großen Handbohrer, ein Loch in das 50 cm dicke Eis bohren. Durch das, ca. 10 cm breite Loch, hingen wir unsere Angel und warteten, bis ein Fisch anbiss.

Um 1 Uhr wollten wir dann gehen (die Zeit verging wieder wie im Flug), leider hatten wir bis dahin noch nichts gefangen. Zum Glück hatte aber Jochen in weiser Voraussicht ein paar Fische gekauft, die es dann am Tag darauf gab. Heute gab es noch Chinesisch!


Achter Tag

Heute badeten wir im Hot Pot, einer Badewanne für 6 Personen, sie steht im Freien, hat einen Schornstein und wird durch ein Holzfeuer beheizt.
Darin badeten wir alle über zwei Stunden lang, da es jedem von uns draußen zu kalt war. Unsere Mützen hatten wir die ganze Zeit auf. Das Wasser war ca. 40 Grad warm.

Am Abend, kurz nach 19 Uhr, mussten wir überstürzt aufbrechen, nachdem wir unsere Sachen gepackt und wir uns verabschiedet hatten (auch von den Hunden). Der Grund war,
dass der Wetterbericht einen Schneesturm vorhersagte.
Also sind wir gegen 21 Uhr schon auf dem Weg nach Oslo gewesen, wo wir dann in einem Kloster, bei Bertholds Bruder übernachtet hatten.

Später erfuhren wir, dass wir in Särna festgesteckt hätten, wären wir später gefahren. In der Nacht hatte es 25 cm geschneit und unsere Blockhütten waren 10-15 km von einer befestigten Straße entfernt.


Neunter und zehnter Tag


Nach dem Aufstehen und einem gemütlichen Frühstück im Kloster, waren wir um 13 Uhr auf der Fähre.

Die Heimreise von Kiel bis nach Hause fuhren wir fast ohne Pausen durch. Gegen 21 Uhr trafen wir todmüde von der langen Fahrt zuhause ein und fielen in unsere Betten.

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